Race Report

Valencia

>>> Prolog <<<

Ende Dezember 2003.

In der dunklen und kalten Zeit des grauen Büro- und Werkstattalltags, der nur sehr unregelmäßig vorkommenden Missionarsstellungen und gelegentlicher Schinderei beim Fitnesstraining naht endlich unser heißersehnter Saisonabschluß in Valencia!

Der Track, der wenige Tage vorher noch den Werksteams als Test- und Spielwiese gedient hatte, gehört endlich uns.

Uns.
Das sind gemäß der Lehre des reinen Speeds:

Armin 'FastMan‘ Kunusch - Micron-Hydratech-Honda CBR 954 RR
Marc 'NoFear‘ Reichhart - ALDI-Suzuki 'Satte-Liter-Schüssel‘ GSX 1000R
Klaus 'Bärli‘ Ernst - Honda CBR 600RR PC37
Jürgen 'JayPee‘ Pilsl - DorianGrey-MachIII-RACEing-Kawasaki ZX6R 636
Jochen 'Jogi‘ Kuhles - No-Oil-Vintage-Honda SC28 RR
David 'NoBrakes‘ Gastorf - Auberge-Yamaha R1 RR
Andre 'Hulk‘ Höchtlen - ALDI-Suzuki GSXR 750 RR (Ex-Pilsl)
Gerhard 'LeanAngle‘ Stotz - RaceTech-Honda CBR 900 SC33
Gunther 'RedNose‘ Repper - Micron-Hydratech-Honda CBR600 RR PC37
Andreas 'SloMo‘ Becher - SRAD-Suzuki GSXR 750 (Ex-Höchtlen)
Maxi Ernst - Suzuki RM 50 RR
Sandra Ernst - Repsol-Honda-NSR 38 RR

Einige verflixt schnelle Boxen-Untermieter aus dem Motorradhändler-, Schreiner- und Rotlichtmillieu komplettieren unsere Crew (nochmals danke, liebe Frau von Frank Jörger, für die supermegageilen Wurstbrote mit Gurke!)

Schon Wochen vorher wurde die wachsende Vorfreude per email durch den Austausch von allerlei Nettigkeiten weiter angeheizt:

'Ich brenn Dir mindestens 2 sec pro Runde auf!‘
'Ihr packt keine Stunde ohne Kiesbetterkundung!‘
'Was wollt Ihr eigentlich mit der Hayabusa auf dem Track?!‘
waren dabei in etwa die harmlosesten Äußerungen.

Annähernd so aufwändig wie die Planung eines Irakkriegs entwickelten sich unter dem Gesichtspunkt 'Kostenreduzierung‘ komplexe Anreise- und Logistikstrategien.

Wer nimmt für wen und wieviele der SC3-Pirelli-Slicks mit?
Wer transportiert die 60-Liter-Ex-Mostfässer für den Sprit?
Wer holt wen, wann und wo ab?
Wer macht wann und wo Zwischenstation?
Wer übernachtet bei wem?
Wer fährt und wer fliegt?
Wie passen vier pausbäckige 4-Zylinder-Japaner in einen Ford Transit?
Und hilft 'Scott‘ Hirsekorn letztlich wieder beim Einladen?

Fragen über Fragen, die letztlich alle zur Zufriedenheit gelöst werden konnten!

 


- Schnitt -
Da die Anreise sehr individuell erlebt wird, ist sie nicht Gegenstand dieses Berichts.
Im Falle des Autors waren die knapp 2 Stunden an der Seite einer wunderschönen Chemiestudentin aus Stuttgart Sillenbuch auf dem ersten von 4 Flügen das absolute Reise-Highlight.
– Schnitt -

 

>>> Circuito de la Comunidad Valenciana Ricardo Tormo <<<


26.12. 2003:

Box 35 und Marcs geräumiger Caravan – neben einem Transit und diversen T4s unser neues Zuhause für die nächsten Tage und Nächte, undichte Luftmatratzen, heimliche Schnarcher und bayrisches Trash-TV inklusive.
Moppeds alle klar? Hat jeder einen Heizlüfter für die Nacht?
Noch eine spanische Cerveza und ab in die Schlafsäcke.


27.12.2003:

Lockeres Streckenerkunden bei Valencia-typischen angenehmen Temperaturen.
Und schon vormittags unerwartet der Crash N°1!
Andy beschattet Busenfreund Andre auf dessen Ex-SRAD und hat plötzlich die Wahl zwischen, Zitat: 'beim Bremsen auf ihn draufzukrachen‘ und einem Ausflug in die Pampa. Was folgt ist ein überaus heftiger Abflug – Rider ok.

Bärli und Jay umzirkeln den Kurs in Genußtempo bereits knapp unterhalb Jays Vorjahresbestzeit und der MachIII-Pilot phantasiert anschließend in 'Bärli-Corner‘ tatsächlich einen Tick schneller gewesen zu sein ?.
Marc beendet die einzige gemeinsame Runde zu dritt mit einer fullminanten Kiesbettbesichtigung nach Turn 1. Nicht zum letzten Mal... ?
Jogi freut sich über seinen niedrigen Ölverbrauch. Und Armins 4 Stunden-Partner Gunter bekämpft erfolglos seine lästige fiebrige Erkältung.

Abends nochmal einige spanische Bier und deutsche Radler abpumpen bzw. mit Andres Hilfe eine magere Map in den Powercommander brennen – Lichter aus.


28.12.2003

Transponderausgabe - all inclusiv! Jetzt wird die Race-Orientierung bei JURA deutlich spürbar. Und dann - bereits Crash N°2 in unserer Gruppe! Diesmal Gerhard 'LeanAngle‘ Stotz mit ganz fett Glück im Unglück.
Ein übereifiger Kawa-Pilot (Schande über diesen grünen Raudi aus Akashi) meint Boldi in der Bremszone zur Ecke eingangs Start/Ziel gerade noch außenherum(!) packen zu müssen. Die Bikes verhaken sich und zügig geht es gemeinsam dahin – in Richtung Kiesbett. Eingesprungener Auerbach der Feuerklinge. Der Übeltäter fährt ungerührt weiter! Boldi bleibt unverletzt aber konsterniert zurück...

Als diese Szene bei der allabendlichen Videovorführung überraschend in voller Länge den Besuchern des Boxenrestaurants dargeboten wird, gibt es 'standing ovations‘ unter den Action-verwöhnten Zuschauern.

Nachmittags schon die ersten Qualifying-Läufe! Jetzt wird gebissen. Extrem böiger Wind macht das nicht immer einfach. Je handlicher die Maschine, desto heikler die Windanfälligkeit. Manch einer kommt die Gerade tatsächlich in Schlangenlinien runter...

Welche Übersetzung wählen? Welchen Reifen aufziehen?
Und zu allem Überfluß haben sich beinahe alle Bikes mit dem berüchtigten Valencia-Virus infiziert, der gnadenlos innerhalb kürzester Zeit die linke Flanke des Hinterreifens zersetzt.
Gegenmittel? Unbekannt. Vielleicht mal den K.-H. Hennemann oder 'Fliege‘ fragen?


29.12.2003 - Raceday!

Ehrgeizig testet Dave in Turn 2 beim Anbremsen nochmal den Grip seines günstig erworbenen vorderen Dunlop GP208. Crash N°3 - rider ok!

Unheimliche 'Begegnung der Dritten Art‘ in der Besichtigungsrunde der Klasse 'Stocksport bis 750‘. Eine heftige Windböe reisst eine große Werbetafel los, die den entsetzten Fahrer unmittelbar hinter Jay und direkt vorm überaus beeindruckten Andre 'einpackt‘ und zu Boden zwingt. Auch hier jede Menge Glück im Unglück – 'nur‘ ein Schlüsselbeinbruch!

In den überwiegend hochklassigen Starterfeldern mit Fahrern aus Deutschland, der Schweiz und etlichen Italienern schlagen wir uns recht tapfer (Detail-Ergebnisse siehe www.jura-racing.de).
Klausi fightet im 600er Top-Feld gegen Shooting-Stars wie Tobias Kirmaier (Supersport-WM 2004).
Jay legt einige Plätze zwischen seinen kleinen Schreihals und den Besitzer seines Ex-Moppeds.
Der schnelle ‚Wicht aus Anzing‘ beendet seine zunächst beeindruckend wilde Jagd im Sprintrennen bereits nach drei Runden wegen eines urplötzlichen Anfalls von Lustlosigkeit (Zitat: 'I hob koa Lusd mehr!‘).
Und Jogi ringt auf seinem bananengelben Oldtimer knapp aber entschlossen den trotz Vormittagssturz stark fahrenden Dave nieder (ein Unbekannter von der Boxenmauer: 'jetzt geht ihm 100%ig einer ab!‘).
Gunther bekämpft mit Jays Unterstützung seinen Virus mittlerweile sogar homöopatisch – immer noch ohne Erfolg. Seine RR scharrt ungeduldig mit den Hufen.
Armin fährt jedes Rennen, dass ihm vor die Flinte kommt. Und bewundert in den Pausen das Fahrwerk eines weiblichen Boxengastes ('Isch doch wirglich äbbäs schees, gell?‘)...

Boldi hat Schraubertag und geht zwischendurch hin und wieder beim 'GL-Albstatt‘-Renndienst oder Jogi shoppen. Lenkerstummel, Kaltmetall und Bremsteile sind aktuell im Angebot. Er hadert intensiv mit Huberth Hoffmanns Fahrwerks-Setup, das seine Blade völlig unerwartet in einen kühlerschleifenden 'Softie‘ verwandelt hatte. Und dieser defekte Kühler macht letztlich alle Hoffnungen auf einen weiteren Einsatz zunichte ?.

Abends dann Übergang zum gemütlichen Teil der Veranstaltung: etliche Pokale einsammeln bzw. Videos gucken. Manche im improvisierten Boxenrestaurant, andere im metallicblauen T4 ?.


30.12.2003, schon der 4. Tag

Einzelne bekommen genau wie Andy‘s SRAD-Getriebe vorübergehend Motivationsprobleme.

Jay ist zudem über Nacht aus reiner Verehrung für Valentino endlich 46 geworden und wird von seinem 4-Stunden-Partner mit einem 'YES‘-Törtchen mit Kerze überrascht. Übersetzt bedeutet das soviel wie: 'Du hast dich als mein 4-Stunden-Partner qualifiziert!‘ Bussi Bärli!
Trotz der in der Folge feuchten Augen steht ausgerechnet heute das gnadenlose 'Old-Men-Race‘ und die GP-Distanzen auf dem Programm.

Das 'Alte-Männer-Rennen‘:
Armin auf Startplatz 11, Klaus auf 15 und Jay 22. von vierzig völlig schräglagengeilen Beinahe-Pensionären.
Schon beim Ansturm auf T1 wird eins klar. Hier gibt es nix umsonst! Die erfolgreiche Vortages-Strategie des eifrigen 'Vorderradzeigens‘ interessiert in diesem Feld der Ex-Superbike-und-Co-Kämpen kein Schwein.
Draufhalten, notfalls Drauflegen lautet die Devise! Unsere Drei tun was sie können und ergattern tapfer respektable Platzierungen.
Selbst Vortagessieger und Valencia-Faktotum Michael 'Fliege‘ Tränklein muss sich heute mit einem Platz im vorderen Mittelfeld begnügen.

GP-Distanz:
Die Stunde von Box 35 und der Gemeinde Anzing im Landkreis Ebersberg! Kampf bis aufs Messer. Wenn diese 170 PS-Boliden die Zielgerade runterkommen bleibt kein Auge trocken. Vielstarter Armin, Frank und unser Schreinermeister vom Schliersee (#46!) sind relativ weit weit vorne im Einsatz.
Der Weg zur Ehrenbürgerschaft von Anzing ist hart. Aber Marc Reichhart ist heute nicht zu halten und brennt eine 47er-Zeit nach der anderen in den Asphalt. Damit die Konkurrenz endlich mal sieht, in welchem Landkreis sein Mopped zugelassen ist. Respekt!

Später werden für die tags darauf anstehende 4-Stunden-Schlacht erste Strategien ausgearbeitet. Bei Einigen mit positiver Entscheidung (Zitate Bärli/Jay jeweils: 'Geil Deine Honda/Deine Kawa!‘). Bei Anderen leider mit einer Absage (Zitate Dave/Jogi jeweils: 'Unfahrbar Dein Mopped/diese Kiste!‘).
Team Bayern/Westerwald ringt sich nach stundenlangen Beratungen und psychologischem Druck auf den N°2-Fahrer um eines strahlenden Pokals Willen zu einem '1-Moto-Einsatz‘ auf Marc‘s 'Hayabusa‘ durch. Dieses widerlich schnelle 'Sofa‘ gibt sich mit zurückgenommener Zugstufendämpfung und mehr Negativfederweg (danke für den Tip, Fliege!) immer weniger Blößen.
Andre erkundet derweil zu Jays Entsetzen bereits die Preise für 750er-Gixxer-Lacksätze für einen künftigen STVO-Betrieb im Westerwald!
Gunters Nase trieft immer noch furchtbar und so tut sich Armin mit Frank zu einem potenziellen Siegerteam in der '1-Mopped-Klasse‘ zusammen.
Team 'Altdorf/Poing‘ tüftelt an einer streng geheimen 'Wenig-wechseln-und-viel-tracktime-für-den-schnelleren-Fahrer‘-Strategie!

Man versucht nochmal das wirklich schnelle Team Gastorf/Kuhles (auf 'die Schöne und das Biest‘?) zur Nachnennung zu bewegen – no way.

Abends findet für einige Auserwählte endlich mal ein spanisches Kulturereignis statt. Dank erfolgreicher Intervention eines schwäbischen Schleckhafens ('I ess älles was i mog!‘) gibt es diesmal ein landestypisches Essen beim Chinesen in Cheste!


31.12.2003, 5. und letzter Tag!

Während in der Heimat bei Neuschnee der Vorrat an Raketen und Böllern überprüft wird, gilt also heute erstmals das Langstreckenmotto ‚Gib Gas und komm an!‘ statt ‚Gib Gas und Knie nieder!‘
Nach tagelangem Zaudern des offiziellen SC3-Testfahrers Kuhles kommen Andre‘s holländische Geheimwaffen doch noch zum Einsatz: mehrjährig sorgfältig ausgehärtete Pirelli SC3-Steinslicks für die Hinterradfelgen der 4 Stunden-Gladiatoren!
Marc meint zwar nach dem morgendlichen Warm-Up mit bierernster Mine zum Entsetzen der Kumpels: 'Di san unfohrbar!‘ Sein Grinsen und das sämige Tragbild lassen aber auch durchaus andere Schlüsse zu. Und schließlich fährt 'Valencia-Urgestein‘ Armin dieselbe Mischung...

Die Fahrerbesprechung dauert endlos lange. Andre muss zwischendurch mal an die frische Luft. Jay gratuliert Marc bei sage und schreibe 11 Teams und 10 Humpen bei den '1-Moppeds‘ zur Sicherheit vorab zum heißersehnten Pokal.
In der '2-Moppeds-Wertung‘ stehen dagegen 25 Teams am Start.

Jay kann Gerhard ('was muss m‘r denn do macha?‘) annähernd mühelos als Team-Regisseur gewinnen, während Maxi und Sandra ganz heiss darauf sind, den Papi und Jay im Langstrecken-Einsatz nach Kräften zu unterstützen. Eisernes Rundenzählen und Zeitenliste ablesen, die Aufgaben sind klar verteilt.

'Jay, denk dran, SC3!!‘, feixt Andre.

Pünktlich zum dringenden Abpinkeln schließen die spanischen Putzfrauen 10 Minuten vor dem LeMans-Start die Toiletten – Krisenstimmung.


12.08 Uhr – Pistolenschuß!

35 Fahrer rennen über die Piste zu den laufenden Maschinen - ab geht’s!

Gleich zu Beginn wird ein Höllentempo vorgelegt. Anzings Ehrenbürger und Poings schnellster Fahrlehrer schon auf den allerersten Runden im Infight! Jesus!. Das soll ein Langstreckenrennen werden?! Nach ca. 50 Minuten die ersten Wechsel. Adrenalin, Bananen, literweise Mineralwasser und Reifenwärmer-Kabelsalat wo man hinschaut.

Boldi führt den zweiten Transponderwechsel sicherheitshalber nach der DCAG-Forschungsmethode '2 Splinte in einer Hand‘ durch und wird daraufhin von Jogi an diesem Nebenkriegsschauplatz abgelöst ?.

Die kleine Kawa nervt mit einer deutlich zu kurzen Endübersetzung weil der Pirellislick im Vergleich zu den an den vier Vortagen gefahrenen Dunlops weniger Abrollumfang hat! Jogi schlägt hilfsbereit einen Kettenradwechsel vor, was Jay aber unter Adrenalin völlig überfordert ('Never touch a running system!‘).

Armin und Frank kämpfen bei den '1-Moppeds‘ ganz vorne, Andre und Marc liegen unmittelbar dahinter! Klaus und Jay fighten in der '2-Moppeds‘-Wertung je nach Fahrer zwischen Platz 7 und 12.

Über 3 Stunden gefahren, gegen 15.30 Uhr. Jay überholt den strategisch ‘cruisenden’ Marc (auf Platz3!) ohne jede Gegenwehr. Dann Fahrerwechsel bei Aldi-Suzuki, Andre kommt raus. Jay erspäht ihn und forciert etwas. Überholmanöver! ?.

‘Duu need!’. Vom Spielertrainer Reichhart mental hervorragend auf den heutigen Wettkampftag eingestellt, hängt sich Andre an Jay. Und beißt! Kontert meistens in der Mitte der Start-und-Zielgeraden. Pee hält dagegen, drückt den Arsch hoch, findet auf der langen Geraden noch 200 Umdrehungen - Begrenzeeeeer! Der graugrüne Screamer schreit wie am Spieß und wehrt sich verzweifelt gegen den Sog aus der Airbox der dicken Literschüssel. Im Windschatten bleiben? Gegen die 1000er-Power? Vergiß es!

Szenenwechsel ins Infield, ‘Bärli’-Corner. It’s Jays turn. Innen rein und Sack zu. Rundenlanges Wrestling @ its best! Die Crews gehen leidenschaftlich mit, Samba do Brazil an der Boxenmauer.

Dann passiert es. Die Linkskehre nach dem schnellen Linksknick der Gegengerade wird später in ‘Andre’s-Corner’ umbenannt. Marcs Kommentar: ‘I hobs kumma sehn!’

Gerade wieder frisch an Jay vorbeigepresst, einen kleinen Tick zu heftig ans Gas für den überforderten SC3 – da bricht das Hinterrad der Aldi-Suzuki aus!

Jay sitzt Loge, Reihe 1, bester Platz Mitte. Der bayrische Bulle keilt rechts aus, fängt sich, steppt hoch, federt schnell wieder nach links ein und wieder aus und katapultiert Andre über 1.50 m hoch über das Motorrad. Klassischer Highsider! Jays zentrales Nervensystem an rechte Hand -> Vollbremsung! Der Liter-Gixxer und Herr Höchtlen kreiseln nämlich auf der Ideallinie und verteilten freizügig die Luftansaugrohre. Reeeechts, Junge reeeechts halten. Ja nicht den Andre überfahren. Über das Gras in den Rettungsweg! Und dann: Stillstand!

Andre sitzt am Boden, 50 cm neben Jays Kawa, Visir abgerissen, Jay’s Hand auf seiner Schulter. Ist das etwa schon ein Streckenposten?! ‘Andre?! Andreee!! Bist Du ok?! Hey, bist Du okay!?!’ Ein schneller Blick, ein vermeintliches Nicken, Gang rein und weiter. Beruhig dich, Mann! Und vorsichtig, die Slicks haben gerade jede Menge Dreck eingefangen.

Nach zwei weiteren verhunzten Runden der letzte Wechsel. Jay berichtet der verdutzten Boxencrew die News von der Strecke. Team Reichhart/Höchtlen out – Riders ok, aber zerknirscht.
Zwischendurch mal auf Platz 7 gewesen, wächst Klaus im letzten Turn über sich selbst hinaus und fährt das 'Bolti-Honda/MachIII-Kawa‘-Team souverän und trotz außerplanmäßigemTrackstopp auf den 10. Platz! Mineralwasserdusche vom N°2-Pilot!

Armin und Frank zittern sich nach einer wirklich grandiosen Leistung auf dem allerletzten Tropfen auf Platz 2 ins Ziel!

Im Streckenhospital kann sich derweil Andre beim Medical Check nicht gleich an seinen Namen erinnern, worauf man sich kurzentschlossen auf 'Hulk‘ einigt!

Maxi übersteht währenddessen samt Suzuki das Rückwärtsausparken eines italienischen Audifahrers ohne Blessuren. Der Südländer versucht anschließend tatsächlich noch mit Gefolge beim Papi 100 Euronen für den Kratzer im Lack herauszuschinden!

Spätnachmittag.

Müdigkeit und Emotionen dominieren. Tina und Andre verabschieden sich zur Sylvesterfeier mit den Altsemestern. Das große Aufräumen beginnt, die Box muss am nächsten Morgen um 9 Uhr clean sein. Transit, T4 und Co, der ganze Tross will wieder verstaut sein. Um 20 Uhr schnell noch ein paar Pokale abholen.
Manch Einer bleibt nicht mal mehr bis Mitternacht 2003/2004 wach. Und gegen 1.00 Uhr ist auch der Letzte in der Koje.

Am nächsten Tag beginnt für die einen schon früh die lange Heimreise. Und für die Anderen ein Neujahrstag in Valencia-Stadt bei frühlingshaften Temperaturen.

Aber das ist eine andere Geschichte. Genau wie das dick geschwollene Knie von Sandra...

 

C ya all @ Ledenon! - Jay